Herpes zoster

Herpes zoster ophthalmicus

  • unilaterale schmerzhafte bläschenartige Hautläsionen im Innervationsgebiet des 1. Trigeminusastes (V1)
  • durch Reaktivierung von Varicella zoster Viren
  • Cave: Hutchinson-Zeichen (Nasenspitze betroffen) -> Hinweis für intraokulare Beteiligung
  • Anamnese: Zeitdauer der Herpesläsionen, Beschwerdebeginn? ->relevant für Therapieentscheid
  • Diagnostik: klinische Diagnose; Abstrich von Bläschen bei klinisch klarem Befund nicht zwingend

Herpes zoster Keratitis

  • Formen:
    • akute epitheliale Keratitis = Keratitis dentritiformis
      • Pseudodendritica: schwach fluo-positiv, zentrales Bäumchen, erhaben, eher spitze Enden ohne  „terminal bulbs“ 1
      • verminderte Hornhautsensibilität in 50%, häufig im Verlauf neurotrophe Keratopathie
    • nummuläre Keratitis
      • ca 10 Tage nach Beginn des Hautausschlags
    • interstitielle Keratitis (= stromale Keratitis)
      • bei ca. 5% der Patienten; etwa 3 Wochen nach Beginn des Hautausschlags

Herpes zoster Uveitis anterior

  • siehe Uveitis anterior
  • Keratouveitis: Uveitis anterior + Keratitis
  • Klinik: fein-granulomatösen Endothelbeschlägen, Vorderkammer-Reiz, sektorielle Irisatrophie, erhöhter Augendruck (wegen Iridocyclitis)

Mögliche weitere Augenbeteiligung bei Herpes zoster:

  • Konjunktivitis (papillär und/oder follikulär): häufig
  • Episkleritis: geht meistens spontan zurück
  • Skleritis: selten; evtl. orale Steroid-Therapie indiziert
  • Akute retinale Nekrose ->bei Erstuntersuch immer Fundusuntersuch in Mydriase
  • Neurotrophe Keratitis ->siehe neurotrophe Keratopathie
  • Paresen des N. oculomotorius, des N. trochlearis und des N. abducens

Therapie

bei Herpes zoster Keratitis

  • Zovirax AS 5x/d bis zur Abheilung bzw 3 Tage länger (bei systemischer Therapie nicht zwingend nötig) bei epithelialer Keratitis
  • Valtrex 1g  3x/d für 7 Tage bis 10 Tage (evtl. auch länger bis Ende des pustulösen Stadiums)
    • Beginn der Therapie innerhalb 72h nach Krankheitsausbruch falls möglich, sinnvoll nur innerhalb 5-7 Tage nach Krankheitsbeginn
  • zusätzlich lokale Steroide bei nummulärer oder interstitieller Keratitis
    • z.B. Dexafree AT 4-5x täglich, langsam über 4-6 Wochen reduzieren

bei Zoster ophthalmicus (ohne Augenbeteiligung)

  • Valtrex 1g 3x/d für 7-10 Tage (um Risiko einer Augenbeteiligung und postherpetischer Neuralgie zu reduzieren)
  • bei Patienten mit Zoster ophthalmicus soll für 6 Wochen nach Auftreten des Ausschlages regelmässig überprüft werden, ob sie eine Uveitis anterior entwickeln, da diese häufig asymptomatisch verläuft
  • topisch  Therapie für Zoster-Effloreszenzen
    • z.B. Tanno Hermal Lotio mehrmals täglich
    • alternativ wenn nicht superinfiziert (nur verkrustet): Aqua Dalibouri Lösung (Kupferzinklösung), 1x 15min pro Tag mit Gasen applizieren
    • alternativ wenn superinfiziert (gelblicher Belag auf Krusten): Fucicort Creme 1-2x/Tag

bei Zoster ophthalmicus mit Uveitis anterior

  • Valtrex 1g 3x/d für 7-10 Tage, danach mit reduzierter Dosis weiterfahren (zB 3x500mg)
  • Pred Forte AT initial meistens stündlich (bzw abhängig von Zellreiz) + evtl. zusätzlich Ultracortenol AS zur Nacht; bei gutem Ansprechen langsam reduzieren
  • Scopolamine AT 2x/d bei deutlichem Vorderkammerreiz (zur Verhinderung von posterioren Synechien)

bei neuropathischen Schmerzen

  • Lyrica 50mg p.o.
    Aufdosierungsschema: z.B. 1. Tag: 1-0-0, 2. Tag: 1-0-1, 3. Tag: 1-1-1, 4. Tag: 2-1-1, 5. Tag: 2-1-2, ab 6. Tag: 2-2-2
  • wenn Schmerzen unter 300mg täglich nicht besser –> Neurokonsil

bei akuter retinale Nekrose (ARN)

Prophylaxe

  • Dauerprophylaxe ab 2 Rezidive/Jahr evaulieren, ggf. mit Valtrex 250mg 2x/d, bei hohem Risiko mit 2x500mg/d
  • Impfung (Zostavax): gemäss BAG empfohlen bei
    • immunkompetenten Personen zwischen 65 – 79 Jahren
    • in naher Zukunft voraussichtlich immungeschwächten Patienten zwischen 50 – 79 Jahren (z.B. vor geplanter Immunsuppression) 
    • neuere Impfung (Shingrix) in der Schweiz noch nicht erhältlich

Quellen